Dokumente Ansprache von Papst Johannes Paul II, 26. Oktober 1998

Zurück zum Überblick

Ich grüße Sie herzlich, liebe Pilger, die Sie Wert darauf gelegt haben, anläßlich des zehnten Jahrestages des Motu Proprio Ecclesia Dei nach Rom zu kommen, um Ihren Glauben an Jesus Christus und Ihre Treue zur Kirche zu festigen und zu erneuern. Liebe Freunde, Ihre Anwesenheit beim " Nachfolger Petri, dem es an erster Stelle zukommt, über die Einheit der Kirche zu wachen" (Conc. Oecum. Vat. I, dogmatische Konstitution I Pastor aeternus) ist von besonderer Bedeutung.

Um den Schatz, den Jesus ihr anvertraut hat, zu bewahren und in entschlossener Ausrichtung auf die Zukunft hat die Kirche die Aufgabe, beständig über ihre Bindung an die Tradition nachzudenken, die uns vom Herrn durch die Apostel kommt - so wie sie sich durch die ganze Geschichte hindurch dargestellt hat. Gemäß dem Geist der Bekehrung des Apostolischen Schreibens Tertio millennio adveniente (nn. 14, 32, 34, 50) ermahne ich alle Katholiken, Zeichen der Einheit zu setzen und ihre Bindung an die Kirche zu erneuern, damit die legitime Vielfalt und die verschiedenen Empfindungsweisen, die der Achtung würdig sind, die Menschen nicht trennen, sondern sie dazu antreiben, gemeinsam das Evangelium zu verkünden so werden, angetrieben von dem Geist, der alle Charismen zur Einheit zusammenführt, alle den Herrn verherrlichen können und das Heil wird allen Nationen verkündet werden.

Ich wünsche, daß alle Glieder der Kirche die Erben des von den Aposteln empfangenen Glaubens bleiben, der würdig und treu, mit Innigkeit und in Schönheit in den heiligen Geheimnissen gefeiert werde, um in zunehmendem Maße Gnade zu empfangen (cf. Conc. oecum. von Trient, 7. Sitzung am 3. März 1547, Dekret über die Sakramente) und in einer tiefen innigen Beziehung mit der Göttlichen Dreifaltigkeit zu leben.

Zwar bestätigt die Kirche den guten Grund für die Liturgiereform, die vom II. Vatikanischen Konzil gewollt und von Papst Paul VI. ins Werk gesetzt wurde, aber sie gibt auch ein Zeichen des Verständnisses jenen gegenüber, die " gewissen älteren Formen der Liturgie und Disziplin verbunden sind" (Motu Proprio Ecclesia Dei, n. 5). Aus dieser Sichtweise muß man das Motu proprio Ecclesia Dei verstehen und anwenden ich wünsche, daß alles im Geiste des II. Vatikanischen Konzils gelebt wird, in voller Übereinstimmung mit der Tradition, hinstrebend auf die Einheit in der Liebe und   die Treue zum Glauben.

Unter dem „Wirken des Heiligen Geistes, durch den die ganze Herde Christi erhalten wird und in der Einheit des Glaubens fortschreitet” (II.Vatikan. Konzil, Dogmat. Konstitution Lumen Gentium, n. 25) lehren der Nachfolger Petri und die Bischöfe, Nachfolger der Apostel, das christliche Mysterium auf ganz besondere Weise bestätigen und stärken die Bischöfe in den ökumenischen Konzilsversammlungen cum Petro und sub Petro (mit und unter Petrus) die Lehre der Kirche, der treuen Erbin der seit zwei Jahrtausenden als lebendige Wirklichkeit bestehenden Tradition, die in ihrem Fortschreiten der Gesamtheit der kirchlichen Gemeinschaft neuen Schwung gibt. Die letzten ökumenischen Konzilen - das Tridentinum, das I. Vaticanum, das II. Vaticanum - haben sich zur besonderen Aufgabe gemacht, das Geheimnis des Glaubens zu erhellen und zum Wohle der Kirche notwendige Reformen in der Sorge um die Fortführung der apostolischen Tradition, die schon vom Hl. Hippolytus schriftlich niedergelegt wurde, durchgeführt.

Es kommt also vor allem den Bischöfen in Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri zu, mit Festigkeit und Liebe die Herde zu führen, damit der katholische Glaube überall erhalten (vgl. Paul VI., apostolische Ermahnung Quinque iam anni Codex des Kanonischen Rechts, can. 386) und würdig gefeiert werde. In der Tat: gemäß der Lehre des Hl. Ignatius von Antiochien " ist dort, wo der Bischof ist, auch die Kirche" (Brief an die Gemeinde von Smyrna, VIII, 2). Ich lade auch die Bischöfe brüderlich ein, Verständnis und erneuerte pastorale Aufmerksamkeit den dem alten Ritus verbundenen Gläubigen zuzuwenden und, an der Schwelle zum dritten Jahrtausend, allen Katholiken zu helfen, die Feier der heiligen Geheimnisse mit einer Andacht zu erleben, die wirkliche Nahrung für ihr geistiges Leben und Quelle des Friedens ist.

Liebe Brüder und Schwestern, ich vertraue Sie der Fürbitte der Jungfrau Maria an, dem vollkommenen Vorbild der sequela Christi (Nachfolgerin Christi)   und Mutter der Kirche, und erteile Ihnen und allen Ihren Lieben den apostolischen Segen.

Herzlich grüße ich alle Pilger, die anläßlich der zehn Jahre des Motu Proprio Ecclesia Dei zu den Gräbern der Apostelfürsten nach Rom gekommen sind. Gerne erteile ich Euch und allen Euren Lieben daheim den Apostolischen Segen.

I warmly welcome the English-speaking pilgrims who have come to venerate the Tombs of the Apostles on the occasion of the Tenth Anniversary of the Motu Proprio Ecclesia Dei. Upon you and your families, I invoke the Almighty God’s abundant blessings.

 

Johannes Paul II

Zurück zum Überblick