Geistliches Jahr der Eucharistie

In seinem Apostolischen Schreiben "Mane nobiscum Domine" vom 7. Oktober 2004 hat Papst Johannes Paul II für die Zeit von Okt. 2004 bis Okt. 2005 ein "Jahr der Eucharistie" ausgerufen. Wir werden an dieser Stelle regelmäßig einen Artikel über das Geheimnis der Eucharistie veröffentlichen.

August-September 2005 „Botschaft“ seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II.
Juni-Juli 2005 Präsentation der Enzyklika „Mysterium Fidei“
April-Mai 2005 Von der besten Teilnahme an der heiligen Messe
Februar-März 2005 Lauda Sion von Hl. Thomas von Aquin
Dezember 2004-Januar 2005

...und Jesus wird gegenwärtig

Oktober-November 2004

Enzyklika Ecclesia de Eucharistia

August-September 2005: „Botschaft“ seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. (21. September 2001)

Auszug aus der „Botschaft“ seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. an die Plenarversammlung der Kongregation für den göttlichen Kult und die Disziplin der Sakramente
(21. September 2001).

2. Die heilige Liturgie, welche von der Konstitution „Sacrosanctum Concilium“ als Krone des kirchlichen Lebens bezeichnet wird, kann weder auf eine einfache ästhetische Realität reduziert noch als Werkzeug mit rein pädagogischen oder ökumenischen Zweckbestimmungen angesehen werden. Die Feier der heiligen Mysterien ist vor allem ein Akt des Lobes der höchsten Majestät Gottes, und sie ist ein von Gott selbst gewollter Ausdruck. Mit der Feier der Liturgie präsentiert sich der Mensch persönlich oder gemeinschaftlich, um Gott zu ehren, im Bewusstsein, dass seine wesentliche Erfüllung nicht gefunden werden kann, ohne Gott zu loben und ohne Seinen Willen zu befolgen, in der beständigen Suche nach seiner Herrschaft, die schon gegenwärtig ist, und endgültig am Tag der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus offenbar werden wird. Die Liturgie und das Leben sind untrennbare Wirklichkeiten. Eine Liturgie, die sich nicht im Leben widerspiegelt, würde leer werden und wäre vor Gott gewiss nicht wohlgefällig.

3. Die liturgische Feier ist ein Akt der Tugend der Religion, welcher, verbunden mit seiner Natur, durch einen tiefen Sinn für das Heilige gekennzeichnet sein muss. In der liturgischen Feier müssen sich der Mensch und die Gemeinschaft bewusst sein, dass sie sich auf eine besondere Art und Weise vor Gott befinden, der dreimal heilig und transzendent ist. Folglich muss eine angemessene innere Haltung von Ehrerbietung durchdrungen sein, von einer Art Bestürzung, die von der Gegenwart der Majestät Gottes herrührt. Vielleicht war es das, was Gott ausdrücken wollte, als er Moses befahl, vor dem brennenden Dornbusch seine Schuhe auszuziehen? Ist die Haltung von Moses und von Elias nicht die Folge eines solchen Bewusstseins, dass sie es nicht einmal wagten Gott anzuschauen, facie ad faciem?

Die Gläubigen müssen in den Priestern und Diakonen ein von Ehrerbietung und Würde geprägtes Benehmen erkennen, mit dessen Hilfe es ihnen ermöglicht wird, in die unsichtbaren Dinge einzudringen, auch ohne viel Worte und Erklärungen. Im römischen Messbuch des hl. Papstes Pius V., sowie in verschiedenen östlichen Liturgien, findet man sehr schöne Gebete, mit denen der Priester den tiefsten Sinn von Demut und Ehrerbietung angesichts der heiligen Mysterien ausdrückt. Diese enthüllen das Wesentliche einer jeden Liturgie.  

Die vom Priester präsidierte liturgische Feier ist eine betende Versammlung, im Glauben geeint, und aufmerksam auf das Wort Gottes hörend. Ihr erster Zweck besteht darin, der göttlichen Majestät das lebendige, reine und heilige Opfer darzubringen, welches ein für allemal von Jesus Christus auf Golgotha dargebracht wurde, und das in jeder hl. Messe gegenwärtig wird, um Gott den gebührenden Kult in Geist und Wahrheit zu erweisen.

Juni-Juli 2005: Präsentation der Enzyklika „Mysterium Fidei“ Seiner Heiligkeit Papst Paul VI.

Rundschreiben "über die Lehre und den Kult der heiligen Eucharistie"
3. September 1965

    Diese wichtige Enzyklika des Papstes Paul VI. wurde in Anbetracht der Sorgen geschrieben, die durch die Verbreitung von heterodoxen Theorien in Bezug auf das Geheimnis der heiligen Eucharistie verursacht wurden. Dabei erwähnt der Papst „gewisse Meinungen, welche den Geist der Treuen verwirren“ zum Thema der „privaten Messen, vom Dogma der Transsubstantiation und des Eucharistischen Kultes“. Das Ziel der Enzyklika besteht darin, in diesen Fragen an die Lehre der Kirche zu erinnern und jene Elemente, die am meisten Angriffen ausgesetzt sind, zu verteidigen.

    Zu Beginn der Enzyklika findet man in Anlehnung an das Konzil von Trient eine Synthese über die Natur dieses Mysteriums. Auch das Zweite vatikanische Konzil hat diese Lehre in Erinnerung gerufen: „Unser Erlöser hat beim letzten Abendmahl in der Nacht, da er überliefert wurde, das eucharistische Opfer seines Leibes und Blutes eingesetzt, um dadurch das Opfer des Kreuzes durch die Zeiten hindurch bis zu seiner Wiederkunft fortdauern zu lassen und so der Kirche, seiner geliebten Braut, eine Gedächtnisfeier seines Todes und seiner Auferstehung anzuvertrauen: das Sakrament huldvollen Erbarmens, das Zeichen der Einheit, das Band der Liebe, das Ostermahl, in dem Christus genossen, das Herz mit Gnade erfüllt und uns das Unterpfand der künftigen Herrlichkeit gegeben wird.“ Dieses Zitat erinnert also zuerst daran, dass die Messe das Opfer am Kreuz fortsetzt und anwendet: so wird uns dieses Opfer „unaufhörlich in Erinnerung gerufen und seine erlösende Tugend wird zur Vergebung der Sünden angewendet, die jeden Tag begangen werden“. Verwirklicht wird dies durch das unblutige Opfer. Von ihm also hängt die Errettung der Menschheit ab, die persönliche Errettung, als auch die der ganzen Welt. Dies bezieht sich auf die Lebenden, aber auch auf die Toten, wie es die Väter der Kirche bereits gelehrt haben.

    Das Sakrament der Eucharistie ist untrennbar mit dem Opfercharakter der Messe verbunden: „Opfer und Sakrament integrieren sich zusammen im gleichen Mysterium, so dass man das eine nicht vom anderen trennen kann.“. Dieses Sakrament ist „gewissermaßen die Vollendung des geistlichen Lebens und das Ziel aller Sakramente“, wie es der Papst in Erinnerung ruft und dabei den heiligen Thomas zitiert.

    Welches sind die Früchte der Eucharistie? Das Sakrament ist durch die Kommunion eine geistige Nahrung für die Seelen der Treuen. Es stärkt und erfreut, belebt und reinigt. Es verleiht Gnade und greift auf die Gabe des ewigen Lebens vor. Man muss also ein reines und heiliges Herz haben um dieses Sakrament in der Kommunion zu empfangen.

    Aus kirchlicher Sicht verwirklicht das Sakrament die Einheit des mystischen Leibes Christi. Sie manifestiert sich in der Kommunion, die ein enges Band der Nächstenliebe schafft. Christus hat die Kommunion, nach dem Ausdruck des Konzils von Trient, zu einem „Symbol jenes einen Leibes, dessen Haupt Er selbst ist“ gemacht. Bestätigt wird diese Lehre reichlich durch die Zeugnisse des christlichen Altertums und der Väter der Kirche. Die Eucharistie ist also das Herz und das Zentrum der Kirche. „Zeichen und Ursache der Einigkeit des mystischen Leibes“, ist sie in sich selbst ein eindringlicher Aufruf an die Einheit der Christen.

    Der Papst kommt mit Beharren auf diese Verbindung des Altarsakraments mit dem Mysterium der Kirche zurück: „Die ganze Kirche, die mit Christus zusammen das Amt des Priesters und Opfers ausübt, bringt das Messopfer dar und wird in ihm auch selbst ganz dargebracht.“ Die Messe ist so das geistliche Zentrum der Kirche. Daraus ergibt sich, dass jede Messe einen öffentlichen und sozialen Charakter hat: „Jede Messe nämlich, auch wenn sie privat vom Priester zelebriert wird, ist dennoch nicht privat, sondern ein Handeln Christi und der Kirche.“ Man darf also die private Messe nicht entwerten. Es ist nicht gestattet die Messe mit der Bezeichnung ‘gemeinschaftlich’ so zu loben, dass man die private Messe entwertet. In allen Fällen, ist es wirklich die ganze Kirche, welche das Opfer darbringt.

    Schliesslich entwickelt der Papst lange die Fragen der Transsubstantation und der wirklichen Gegenwart Christi, weil es ihn beunruhigt zu sehen, dass darüber falsche Auffassungen verbreitet werden. Er bemüht sich also, mit Entschlossenheit daran zu erinnern, dass die Kirche immer am Begriff der Transsubstantiation festgehalten hat und es sich vielmehr nicht nur um eine Transsignifikation oder eine Transfinalisation handelt. Sie lehrt die „Wandlung der ganzen Substanz des Brotes in seinen Leib und der ganzen Substanz des Weines in sein Blut, eine ganz wunderbare und einzigartige Wandlung, die die katholische Kirche passend und im eigentlichen Sinn Wesensverwandlung nennt. Die Kirche hat eine unveränderliche Sprachregel festgelegt, die es zu respektieren gilt. Das von der Kirche benutzte Wort ist besonders angemessen und gehört zu den Formeln, welche „den Menschen aller Zeiten und aller Orte angepasst“ sind.

    Um seine Äusserung zu unterstützen und um die Beständigkeit und die Einstimmigkeit der Tradition in Hinblick auf diesen Punkt der Doktrin zu zeigen, zitiert der Papst die Zeugenaussagen der Kirchenväter und der Konzile.

    Diese wundersame Umwandlung bewirkt die wirkliche Anwesenheit des Erretters. Diese Anwesenheit ist nicht nur symbolisch, sondern sie ist zugleich sakramental: Christus beginnt „Kraft der Wandlungsworte sakramental gegenwärtig zu sein, gleichsam als geistige Speise der Gläubigen, unter den Gestalten von Brot und Wein“. Ebenso ist Christi Gegenwart wirklich und wesentlich: „Diese Gegenwart wird ‘wirklich’ genannt, nicht im ausschließenden Sinn, als ob die anderen nicht ‘wirklich’ wären, sondern in einem hervorhebenden Sinn, weil sie wesentlich ist, wodurch der ganze und unversehrte Christus, Gott und Mensch, gegenwärtig wird.“. So ist Christus „wahrhaft, wesentlich und wirklich unter der Gestalt jener sichtbaren Dinge gegenwärtig“, wie Paul VI. erinnert, indem er das Konzil von Trient zitiert. Er präzisiert weiter, dass der „ganze und unversehrte Christus in seiner physischen Wirklichkeit auch körperlich gegenwärtig ist, wenn auch nicht auf die Weise, in der Körper sich an ihrem Ort befinden. Man darf deshalb bei „der Betrachtung dieses erhabensten Sakramentes nicht den Sinnen trauen, die die Eigenschaften von Brot und Wein wiedergeben, sondern den Worten Christi, die eine solche Kraft haben, dass sie das Brot und den Wein in seinen Leib und sein Blut wandeln, umformen und ‘zu neuen Elementen machen’“. Folglich muss jeder Partikel mit außerordentlicher Vorsicht und Respekt behandelt werden. Der Papst unterstreicht auch, dass sich diese Anwesenheit nicht nur durch den Glauben der Kirche realisiert, sondern durch eine objektive Wirklichkeit.

    Diese objektive Wirklichkeit hat zur Folge, dass die wahrhaftige Gegenwart in den heiligen Gestalten verbleibt, auch nach der Messe. Man schuldet ihnen also immer Anbetung und muss die „Anbetung des Sakramentes der Eucharistie nicht nur während der Messe, sondern auch ausserhalb seiner Feier“ pflegen. Die christliche Tradition ist reich an Zeugenaussagen über diesen Kult. Der Papst bittet darum, „den eucharistischen Kult, in den schließlich alle übrigen Formen der Frömmigkeit hineinführen und einmünden müssen, in Wort und Tat unermüdlich zu fördern“. Es muss demnach einem jeden viel daran liegen, das Allerheiligste zu besuchen und zu ehren.

    Der Papst besteht also besonders auf dem Dogma der wirklichen Gegenwart und der Transsubstantiation, und auch auf der Verbindung der Eucharistie mit dem Mysterium der Kirche und vor allem auf der Einheit dieser Wahrheiten. Das drückt sich aus in einer ausführlichen Wiederholung der zahlreichen Punkte der kirchlichen Lehre, die mit der richtigen Auffassung von diesem Sakrament verbunden sind. Dies hindert den Papst nicht daran, zu wiederholen, dass die Eucharistie ein Glaubensgeheimnis ist und bleibt, so wie es der Titel der Enzyklika unterstreicht, als auch die Worte des Hymnus des Hl. Thomas: „Gesicht, Gefühl, Geschmack betrügen sich in Dir, doch das Gehör verleiht den sichern Glauben mir. Was Gottes Sohn gesagt, dass glaub’ ich hier allein, es ist der Wahrheit Wort, und was kann wahrer sein.“ Darum sagt Paul VI., dass „die Eucharistie ein ganz großes Geheimnis ist, ja, wie die heilige Liturgie sagt, Geheimnis des Glaubens im eigentlichen Sinn“.

April-Mai 2005: Von der besten Teilnahme an der heiligen Messe

    Wir müssen uns bemühen, den Wirkungen der Hl. Messe zu entsprechen, um von ihr profitieren zu können. Es gilt deshalb die vier Ziele des Kreuzesopfers, also der hl. Messe, zu unterscheiden: Anbetung, Danksagung, Sühne und Bitte – durch sie können wir uns den Absichten Christi angleichen.

Das hl. Messopfer ist ein latreutisches Opfer: Christus opfert sich für die Ehre Gottes. Hierin besteht die Orientierung des Opfers: auf Gott hin, Gott zuerst zu dienen. Der erste Gedanke Christi am Kreuz, die grundlegende Absicht seiner Seele ist die Anbetung und die kindliche Liebe gegenüber der unendlichen Majestät seines Vaters. Denn worin besteht der erste Akt der Anbetung wenn nicht im Opfer?
-   bieten wir also unsere Opfer, unseren Kummer und unsere Leiden dem himmlischen Vater in Vereinigung mit dem Opfer Christi dar. Erinnern wir uns: Wir haben Anteil an Christus, aber an Christus in seinem Opfer.
-   Um die Haltung der Anbetung auszudrücken, müssen die Konsequenzen für die Liturgie in einer Vermehrung der Gesten wie Verneigungen, Kniebeugen und Reinigungen bestehen.

Das Messopfer ist ein eucharistisches Opfer: Die Anbetung anerkennt die Größe Gottes, die Danksagung preist seine unendliche Güte. Gott hat ein Anrecht auf unsere Dankbarkeit. Durch die Liturgie bemächtigt sie sich des ganzen Universums um mit einer Stimme Gotte Wohltaten zu preisen. Dies ist ein fundamentaler Aspekt der hl. Messe, so sehr, dass man sie auch Eucharistie oder eucharistisches Opfer nennt. Wir sollen also auch wissen, wie wir während der Messe Gott unsere Dankbarkeit zum Ausdruck bringen sollen – für die Wohltaten mit denen Er uns überschüttet, sowohl für jene, die wir bemerken, als auch für jene, die wir nicht wahrnehmen. „Dieses bewunderungswürdige Opfer eingesetzt, auf dass wir nicht undankbar seien gegenüber Gott.“ (Hl. Irenäus)

Das Messopfer ist weiterhin ein sühnendes Opfer, „sühnend“ – ein Wort so ungewohnt für moderne Ohren. Die hl. Messe rettet uns, sie befriedigt die göttliche Gerechtigkeit, sie stimmt Gott gnädig. Das Opfer Christi ist sühnend: Die hl. Messe bewirkt den Nachlass unserer Sünden gemäß der Vorbereitung unseres Herzens, in dem der Herr Demut und Reue vorfinden muss.

Nicht zuletzt ist das Messopfer ein wirkmächtiges Opfer, die Gelegenheit, Christus unsere Wünsche und Bitten anzuvertrauen. Vereint mit dem kostbaren Blute Christi, finden unsere Bitten in Christus den besten Anwalt, den mächtigsten Fürsprecher. Jede Messe gestattet uns, von Gott mit Vertrauen und Hingabe eine Gnade zu erflehen. Unser Herr gewährt sie uns und sein Wort ist Wahrheit: „Alles, um was ihr Gott in meinem Namen bitten werdet, wird Er euch gewähren.“ Wie wollte der Vater dem Sohn etwas abschlagen, um das jener am Kreuz hängend bittet?

Wir bemerken, dass die ersten beiden Ziele der hl. Messe Gott zum Objekt haben, während die beiden letzten mehr uns direkt betreffen. In unseren Gebeten bei der hl. Messe müssen wir uns diese vier Ziele zueigen machen. Hierin also besteht die beste Teilnahme an der Messe: sich zu vereinigen mit dem Priester als Werkzeug Christi, der dem Vater sein Opfer gemäß diesen vier Zielen darbringt. Daher das folgende Gebet:

Mein Gott, ich bete Dich an und ich liebe Dich.
Ich danke die für alle Wohltaten, mit denen Du mich beschenkt hast.
Ich bitte Dich um Verzeihung für all die Beleidigungen, die dein überreich liebendes Herz verwundet haben.
Ich bitte Dich, dass Du mir zu Deinem Ruhm das Maß an Heiligkeit verleihst, das Du mir so teuer erkauft hast.

    Dies also sind die vier Ziele des Opfers, auf Grund derer uns die Kirche einlädt, an der hl. Messe teilzunehmen. Welches sind ihre Früchte? Die hl. Messe lässt die Sünden nicht direkt nach, aber sie fördert die Reue und die Bekehrung. Auf eine begrenzte aber dennoch unmittelbare Weise lässt sie die zeitlichen Sündenstrafen für bereits vergebene Sünden nach. Zudem werden unsere Bitten erhört wenn sie gerecht sind und in der rechten Gesinnung vorgebracht werden.

    All dies betrifft unsere Teilnahme an der hl. Messe, selbst ohne sakramentale Kommunion. Die sakramentale Kommunion, wenngleich nicht unabdingbar, bleibt dennoch höchst wünschenswert, perfektioniert sie doch durch ihre besonderen Früchte unsere Teilnahme, die zuerst in der Vereinigung mit Christus besteht. Er verwandelt uns von innen her, passt uns Sich an, heiligt, stärkt und heilt uns, schenkt uns Freunde und vereinigt uns mit der ganzen Kirche.

    Betrachten wir die Worte Kardinal Journets: „Es handelt sich um eine milde und gleichzeitig Furcht erregende Tatsache, dass Jesus uns jeden Tag einlädt, die Welt mit Ihm loszukaufen.“

Februar-März 2005: Lauda Sion von Hl. Thomas von Aquin

Láuda Síon Salvatórem,
Láuda dúcem et pastórem,
In hýmnis et cánticis.

Deinem Heiland, deinem Lehrer,
deinem Hirten und Ernährer,
Sion, stimm ein Loblied an!

Quantum pótes, tantum áude:
Quia májor ómni láude,
Nec laudáre súfficis.

Preis nach Kräften seine Würde,
da kein Lobspruch, keine Zierde
seinem Ruhm genügen kann.

Láudis théma speciális,
Pánis vívus et vitális
Hódie propónitur.

Dieses Brot sollst du erheben,
welches lebt und gibt das Leben,
das man heut‘ den Christen weist.

Quem in sácræ ménsa coénæ
Túrbæ frátrum duodénæ
Dátum non ambígitur.

Dieses Brot, mit dem im Saale
Christus bei dem Abendmahle
die zwölf Jünger hat gespeist.

Sit laus pléna, sít sonóra,
Sit jucúnda, sit decóra
Méntis jubilátio.

Laut soll unser Lob erschallen
und das Herz in Freude wallen,
denn der Tag hat sich genaht,

Díes enim solémnis ágitur,
In qua ménsæ príma recólitur
Hújus institútio.

Da der Herr zum Tisch der Gnaden
uns zum ersten Mal und geladen
und dies Mahl gestiftet hat.

In hac ménsa nóvi Régis,
Nóvum Páscha nóvæ légis,
Pháse vétus términat.

Neuer König, neue Zeiten,
neue Ostern, neue Freuden,
neues Opfer allzumal!

Vetustátem nóvitas,
Umbram fúgat véritas,
Nóctem lux elíminat.

Vor der Wahrheit muss das Zeichen,
vor dem Licht der Schatten weichen,
hell erglänzt des Tages Strahl.

Quod in coéna Chrístus géssit,
Faciéndum hoc expréssit
In súi memóriam.

Was von Christus dort geschehen,
sollen wir fortan begehen,
seiner eingedenk zu sein.

Dócti sácris institútis,
Pánem, vínum, in salútis
Consecrámus hóstiam.

Treu dem heiligen Befehle
wandeln wir zum Heil der Seele
in sein Opfer Brot und Wein.

Dógma dátur christiánis,
Quod in cárnem tránsit pánis,
Et vínum in sánguinem.

Doch wie uns der Glaube kündet,
der Gestalten Wesen schwindet,
Fleisch und Blut wird Brot und Wein.

Quod non cápis, quod non vídes,
Animósa fírmat fídes,
Praeter rérum órdinem.

Was das Auge nicht kann sehen,
der Verstand nicht kann verstehen,
sieht der feste Glaube ein.

Sub divérsis speciébus,
Sígnis tantum, et non rébus,
Látent res exímiæ.

Unter beiderlei Gestalten
hohe Dinge sind enthalten,
in den Zeichen tief verhüllt.

Cáro cíbus, sánguis pótus:
Mánet tamen Chrístus tótus,
Sub utráque spécie.

Blut ist Trank, und Fleisch ist Speise,
doch der Herr bleibt gleicherweise
ungeteilt in beider Bild.

A suménte non concísus,
Non confráctus, non divísus:
Integer accípitur.

Wer ihm nahet voll Verlangen,
darf ihn unversehrt empfangen,
ungemindert, wunderbar.

Súmit únus, súmunt mille:
Quantum ísti, tantum ílle:
Nec súmptus consúmitur.

Einer kommt, und tausend kommen,
doch so viele ihn genommen,
er bleibt immer, der er war.

Súmunt bóni, súmunt máli:
Sórte tamen inæquáli,
Vítæ vel intéritus.

Gute kommen, Böse kommen,
alle haben ihn genommen,
die zum Leben, die zum Tod.

Mors est mális, víta bónis:
Víde páris sumptiónis
Quam sit díspar éxitus.

Bösen wird er Tod und Hölle,
Guten ihres Lebens Quelle,
wie verschieden wirkt dies Brot!

Frácto demum sacraménto,
Ne vacílles, sed meménto
Tantum ésse sub fragménto,
Quantum tóto tégitur.

Wird die Hostie auch gespalten,
zweifle nicht an Gottes Walten,
dass die Teile das enthalten,
was das ganze Brot enthält.

Núlla réi fit scissúra:
Sígni tantum fit fractúra,
Qua nec státus, nec statúra
Signáti minúitur.

Niemals kann das Wesen weichen,
teilen lässt sich nur das Zeichen,
Sach‘ und Wesen sind die gleichen,
beide bleiben unentstellt.

ECCE PÁNIS ANGELÓRUM,
Fáctus cíbus viatórum
Vere pánis filiórum,
Non mitténdus cánibus.

Seht das Brot, die Engelspeise!
Auf des Lebens Pilgerreise
nehmt es nach der Kinder Weise,
nicht den Hunden werft es hin!

In figúris præsignátur,
Cum Isáac immolátur,
Agnus Páschæ deputátur,
Dátur mánna pátribus.

Lang im Bild war‘s vorbereitet:
Isaak, der zum Opfer schreitet;
Osterlamm, zum Mahl bereitet;
Manna nach der Väter Sinn.

Bóne pástor, pánis vére,
Jésu, nóstri miserére:
Tu nos pásce, nos tuére,
Tu nos bóna fac vidére
In térra vivéntium.

Guter Hirt, du wahre Speise,
Jesus, gnädig dich erweise!
Nähre uns auf deinen Auen,
lass uns deine Wonnen schauen
in des Lebens ewigem Reich!

Tu qui cúncta scis et váles,
Qui nos páscis hic mortáles:
Túos ibi commensáles,
Coherédes et sodáles
Fac sanctórum cívium.

Du, der alles weiß und leitet,
uns im Tal des Todes weidet,
lass an deinem Tisch uns weilen,
deine Herrlichkeit uns teilen.
Deinen Seligen mach uns gleich!

Amen.

Amen

Dezember 2004-Januar 2005: ...und Jesus wird gegenwärtig

Ohne die Eucharistie wäre das Christentum eine Ideologie. Durch die Eucharistie weilt Christus persönlich auf Erden. Wir leben in Seiner Kirche - nicht um nur Seine Gedanken und Sein Gedächtnis zu bewahren, sondern vielmehr, damit Ihm von nun an wahrhaftig unser Lobpreisungen und die Ehren zuteil werden, die Ihm gebühren. Sie bezeugen die Liebe von uns einfachen Geschöpfen, die wir Ihm, dem König der Könige, entgegenbringen. Durch die Eucharistie setzt sich Seine Menschwerdung von der Krippe zu Bethlehem bis in unsere Zeiten fort.

Durch ihre Liturgie erweist die Kirche, geformt aus den Gläubigen, Ihm die Ehre. In Europa hat sich seit der Zeit der Apostel ein liturgisches Handeln entwickelt, das wir den überlieferten Ritus nennen. Er ist für die lateinischen Katholiken des Abendlandes die vollendete Form des Realismus in Hinblick auf die wirkliche Gegenwart in der Eucharistie. Wir wollen erklären, weshalb.

Unter der Gestalt einer konsekrierten Hostie ist Gott wesenhaft gegenwärtig, Gott, vor dem wir nichts sagen oder tun können, auf den wir unsere ganze Aufmerkamkeit richten müssen. Gott ist da, und nichts kann Ihm vorgezogen werden. So, um nur ein Beispiel zu nennen, erscheinen, sobald der Priester die Worte der Konsekration über die Hostie und den Wein im Kelch gesprochen hat, eine Vielzahl von Kniebeugen und Zeichen. All diese Gesten sind gleichwie eine Übersetzung der Wirklichkeit der Gegenwart Gottes.

Der überlieferte Ritus bringt unzweideutig die Wahrheit von dem Selbst-Seienden zum Ausdruck, von dem, was die gewandelte Hostie und der gewandelte Wein sind.

Glauben – die erste Etappe des Glückes
„Das Glück besteht zu allererst in der Handlung der Anschauung“ schrieb der  Hl. Thomas im Jahre 1269 in einem Kommentar zu Aristoteles. (Kommentar zur Nikomachischen Ethik)

Aber bevor man das Glück in der Wahrheit, die wir anschauen, findet, muß diese Wahrheit erkennbar sein! Weil die Eucharistie den Verstand vor ein Mysterium stellt, muß die Wahrheit zuerst geglaubt werden, bevor sie verstanden wird. Der Glaubensakt ist der Zugang zu diesem Mysterium.

Man muß zuerst glauben, glauben, daß Gott da ist, anwesend in seiner ganzen göttlichen Substanz, unter der Gestalt des Brotes. Welch eine Erniedrigung in der Ordnung der Schöpfung und welch Unglaublichkeit in der Ordnung der Vernunft.

Der Glaube geht dem Verstand voraus und dennoch unterdrückt er ihn deswegen nicht. Ganz im Gegenteil. Ohne den Glauben hätte der Verstand niemals ganz alleine diese menschlich unerklärbare Wahrheit gefunden: Gott existiert unter der Gestalt des Brotes, der vom Priester konsekrierten Hostie.

Verstehen, daß die Eucharistie eine Person ist.
« Si quis vult post me venire, abneget semetispsum et tollat crucem suam & sequatur me. »
„Wenn einer mir nachfolgen will, so verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Mt. 16, 24)

Bevor die Wahrheit vom Verstand genossen werden kann, ist es notwendig, daß letzterer die Wahrheit durch einen Akt des Glaubens annimmt. Hierin besteht das Kreuz, das zu Christus führt - wenn der Verstand wirklich bereit ist, sich leiten zu lassen. Pierre-Julien Eymard, Gründer der Kongregation vom Heiligsten Sakrament im 19. Jahrhundert bestätigt, daß

„der Glauben an das Allerheiligste Altarsakrament der glorreichste Akt des Glaubens für Christus ist, der verdienstlichste Akt für den Christen und der tröstlichste Akt für sein Herz.“

Nun, da wir glauben, daß Gott die Gestalt von Brot annimmt (Farbe, Geschmack, Zerbrechlichkeit) gilt es dennoch logisch und realistisch zu bleiben! Wir stehen im Angesicht einer Person. Gott befindet sich vor uns. Seine Anwesenheit ist wirklich, obgleich unsere Sinne unzureichend sind und unser Verstand aufzubegehren droht. Das Zentrum des Geheimnisses besteht hierin: Die Gestalt des Brotes besteht fort, wenngleich Gott hier persönlich gegenwärtig ist. Gott ist Eucharistie.

Betrachten, und die Wahrheit siegen lassen
« Non tu me mutabis in te, sed tu mutaberis in me »
„Du wirst mich nicht in dich verwandeln, aber du wirst in mir verwandelt“, sagt mit Recht der heilige Augustinus.

Mit was auch immer wir uns eins fühlen, was auch immer wir betrachten, es ist die Wahrheit der Eucharistie die unseren Seelen höchsten Glanz verleiht. Lautlos treten die Seelen mit Gott in Kontakt. Unser Sein - Seele und Geist - ist ein Sammelbecken Gottes. Wir werden vergöttlicht.

Diese höchste mystische Erfahrung ist gleich welchem Getauften zugänglich. Die selige Elisabeth von der heiligsten Dreifaltigkeit beschreibt sie eingängig in einem Gebet, das sie vor einhundert Jahren, Ende 1904, nach achttägigen Exerzitien in ihrem Karmel in Dijon verfaßt hat:

„Hilf mir, mich vollständig zu vergessen, um mich in Dir niederzulassen, unbeweglich und friedvoll, so als wäre meine Seele schon in der Ewigkeit. Mache aus meiner Seele Deinen Himmel. Ich bitte Dich, bekleide mich mit Dir selbst, damit mein Leben nichts als ein Widerschein des Deinigen sei. Komme über mich, damit Er in meiner Seele  wie die Menschwerdung des Wortes sei: Auf daß ich Ihm ein Mehr an Menschlichkeit sei, in welchem Er sein ganzes Mysterium erneuern möge.“

Diese Augenblicke, verbracht in der Vertrautheit der Eucharistie, sind wie eine Berührung unserer Substanz mit der Substanz Gottes.

Sich nach dem Heiland im Sakramente richten
Wenn wir von Gott abgelenkt werden, wenn unser Leben bisweilen keinen anderen Sinn zu haben scheint, als eine Beklemmung zu sein, die uns niederdrückt, dann ist für uns die Zeit angekommen, in eine Kirche zu treten, vor Ihn selbst zu treten. Und noch mehr: Durch das Sakrament der Kommunion oder durch die Betrachtung läßt sich Gott in unseren Seelen nieder, sobald wir Ihm die Pforten unserer Einsicht durch einen Akt des Glaubens öffnen.

Gott läßt sich also in uns nieder und wir in Ihm. Wir bringen unsere „Leiber dar, als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer dar, als [unseren] sinnvoll entsprechenden Gottesdienst. (Röm. 12, 1)

Ist das ist unsere Weise, verwandelt zu werden, so erhalten wir eine neue Sicht auf uns selbst und auf den Nächsten. Die Gnade senkt sich in unsere Seelen. Gott herrscht in unserem Sein. Wir handeln gemäß der Gnade. Wir sind Heilige. Unser gereinigter und vereinfachter Blick zeigt uns die ganze Dimension der Ewigkeit.  Unser Leben steigt in seinem wirklichen Wert. Das Leiden, die Anstrengungen sind nur deshalb verständlich und erträglich weil sie Gott zeigen, daß uns nichts von Ihm trennen wird.

Zu dem Schluß kommen, daß sich das Leben vor dem Tabernakel erlernen läßt.
Indem wir die Eucharistie betrachten sind wir an der Quelle des Lebens. Gott, der die höchste Existenz ist, vereinigt sich mit uns, seinen Geschöpfen. Die Eucharistie, die wir genießen oder betrachten, ist die sichtbare Unterstützung, durch die sich Gott uns mitteilt und in uns verbleibt. Vor Ihm erkennen wir das Ziel unserer Existenz, den Grund unseres Lebens: mit Gott zu sein und Gott mit uns.

Die Schule der Mystik ist allen geöffnet. Die besten Schüler erhalten die Palmen des Martyriums oder den Heiligenschein der ewigen Herrlichkeit. Diese Schule formt Heilige, und sie ist nur zwei Schritte von uns entfernt: Es ist die Kirche. Ihr Meister ist dort im Tabernakel gegenwärtig Mit Ihm lernen wir, Ihn zu lieben, unseren Nächsten zu lieben, zu lieben aber bis zur Hingabe von allem: unserer Zeit, unserer Anstrengungen und sogar unseres Lebens.

Oktober-November 2004: Enzyklika Ecclesia de Eucharistia

Die Eucharistie
13. Kraft ihrer innigen Beziehung mit dem Opfer von Golgota ist die Eucharistie Opfer im eigentlichen Sinn, und nicht nur in einem allgemeinen Sinn, als ob es sich um eine bloße Hingabe Christi als geistliche Speise an die Gläubigen handelte. Das Geschenk seiner Liebe und seines Gehorsams bis zur Vollendung des Lebens (vgl. Joh 10, 17-18) ist in erster Linie eine Gabe an seinen Vater. Natürlich ist es Gabe für uns, ja für die ganze Menschheit (vgl. Mt 26, 28; Mk 14, 24; Lk 22, 20; Joh 10, 15), aber dennoch vor allem Gabe an den Vater: »ein Opfer, das der Vater angenommen hat, indem er für die Ganzhingabe seines Sohnes, der "gehorsam wurde bis zum Tod" (Phil 2, 8), die ihm als Vater eigene Gabe zurückschenkte, d.h. ein neues, ewiges Leben in der Auferstehung«.
Indem Christus der Kirche sein Opfer schenkte, wollte er sich auch das geistliche Opfer der Kirche zu eigen machen, die berufen ist, mit dem Opfer Christi auch sich selbst darzubringen. Das lehrt uns das Zweite Vatikanische Konzil im Hinblick auf alle Gläubigen: »In der Teilnahme am eucharistischen Opfer, der Quelle und dem Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens, bringen sie das göttliche Opferlamm Gott dar und sich selbst mit ihm«.

In der Kommunion den Leib und das Blut des Herrn empfangen
16. In Fülle verwirklicht sich die heilbringende Wirkung des Opfers, wenn wir in der Kommunion den Leib und das Blut des Herrn empfangen. Das eucharistische Opfer ist in sich auf die innige Gemeinschaft von uns Gläubigen mit Christus in der Kommunion ausgerichtet: Wir empfangen ihn selbst, der sich für uns hingegeben hat, seinen Leib, den er für uns am Kreuz dargebracht hat, sein Blut, das er »für viele« vergossen hat »zur Vergebung der Sünden« (Mt 26, 28). Erinnern wir uns an seine Worte: »Wie mich der lebendige Vater gesandt hat, und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich ißt, durch mich leben« (Joh 6, 57). Jesus selbst versichert uns, daß eine derartige Vereinigung, die er in eine Analogie zur Einheit des dreifaltigen Gottes setzt, sich wahrhaft verwirklicht. Die Eucharistie ist ein wahres Mahl, in dem sich Christus als Nahrung darbietet. Als Jesus zum erstenmal diese Speise ankündigte, waren die Zuhörer erstaunt und verwirrt und zwangen den Meister, die objektive Wahrheit seiner Worte zu unterstreichen: »Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht eßt und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch« (Joh 6, 53). Es handelt sich nicht um eine Speise in einem bildhaften Sinn: »Mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank« (Joh 6, 55).

Maria und die Eucharistie
56. Nicht nur auf Golgota, sondern während ihres ganzen Lebens an der Seite Christi machte sich Maria den Opfercharakter der Eucharistie zu eigen. Als sie das Jesuskind nach Jerusalem in den Tempel brachte, »um es dem Herrn zu weihen« (Lk 2, 22), hörte sie die Ankündigung des greisen Simeon, daß dieses Kind »ein Zeichen des Widerspruchs« sein und »ein Schwert« auch ihre Seele durchdringen werde (vgl. Lk 2, 34-35). So wurde das Drama des gekreuzigten Sohnes bereits angekündigt und in gewisser Weise das »Stabat Mater« der Jungfrau zu Füßen des Kreuzes vorweggenommen. Indem sich Maria Tag für Tag auf Golgota vorbereitete, lebte sie eine Art »vorweggenommener Eucharistie«, man könnte sagen, eine »geistliche Kommunion« der Sehnsucht und der Hingabe, die in der Vereinigung mit dem Sohn im Leiden ihre Vollendung fand und dann, in der Zeit nach Ostern, in ihrer Teilnahme an der Eucharistie, die von den Aposteln zum »Gedächtnis« des Leidens gefeiert wurde, zum Ausdruck kam.
Was muß Maria empfunden haben, als sie aus dem Mund von Petrus, Johannes, Jakobus und der anderen Aposteln die Worte des Letzten Abendmahls vernahm: »Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird« (Lk 22, 19)? Dieser Leib, der als Opfer dargebracht und unter sakramentalen Zeichen erneut gegenwärtig wurde, war ja derselbe Leib, den sie in ihrem Schoß empfangen hatte! Der Empfang der Eucharistie mußte für Maria gleichsam bedeuten, jenes Herz wieder in ihrem Schoß aufzunehmen, das im Gleichklang mit ihrem Herzen geschlagen hatte, und das von neuem zu erleben, was sie selbst unter dem Kreuz erfahren hatte.