Dokumente Ansprache von Pater Josef Bisig bei der Bischofssynode, 8. Oktober 1999

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Zuerst möchte ich Ihrer Heiligkeit für Ihr Wohlwollen gegenüber den Katholiken danken, die der lateinischen geistlichen und liturgischen Tradition verbunden sind. Ich bin sehr geehrt und glücklich darüber, diese große Zahl von Katholiken, Priestern und Laien bei dieser Bischofssynode vertreten zu dürfen. Erlauben Sie mir, auch jenen Bischöfen meinen Dank auszusprechen, die uns in ihre Diözesen aufgenommen haben.

Hier eine kurze Präsentation unserer Priesterbruderschaft St. Petrus: Sie wurde 1988 von der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei ins Leben gerufen. Heute zählen wir 105 Priester und unsere beiden internationalen Seminare beherbergen 140 Seminaristen, von denen 29 dieses Jahr begonnen haben. Weiters sind wir gerade dabei, zwei neue Häuser für die Ausbildung zu bauen, eines in Deutschland und eines in den Vereinigten Staaten von Amerika. Zu unserer großen Freude hat der Heilige Vater selbst, hier in Rom, die Grundsteine für diese neuen Seminare gesegnet.

Wir stehen also im Dienst der Gläubigen, die der lateinischen liturgischen Tradition verbunden sind; ihre Zahl ist in den europäischen Ländern einigermaßen hoch und wächst ständig; ein großer Teil ist jedoch leider immer noch an die Bruderschaft Pius X. gebunden, die noch immer nicht in die Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri zurückgekehrt ist. Diese Synode steht unter dem Zeichen der Hoffnung: Erlauben Sie mir, vor Ihnen meiner Hoffnung Ausdruck zu geben, daß auch diese Brüder im Glauben der Einheit der katholischen Kirche beitreten werden. Unsere Bruderschaft arbeitet daran und bemüht sich - in enger Zusammenarbeit mit den Bischöfen - dieses Ziel zu erreichen. Aber sie will auch gerne mit ihrem Charisma zu dieser großen Aufgabe beitragen, die die neue Evangelisierung darstellt. Sie stellt sich in den Dienst der Weitergabe des Glaubens durch den Unterricht des Katechismus, dessen Bedeutung bereits vom Heiligen Vater anläßlich der Verkündigung des Katechismus der Katholischen Kirche betont wurde. Viele junge Menschen haben einen großen Durst nach Wissen; ihnen die Glaubenslehre richtig zu vermitteln, bedeutet, ihnen Hoffnung zu geben, ihre Herzen für die Gnade zu öffnen und sie in der Liebe Christi zu festigen.

Ich möchte ein Wort zu Nr. 69 des Instrumentum laboris sagen. Wir können uns mit dem Bild, das dort von den traditionellen Gläubigen geboten wird, nicht identifizieren. Unsere Erfahrung hat uns etwas anderes gezeigt: Diese Gläubigen werden in ihrer Spiritualität von traditionellen liturgischen Formen gestützt und fühlen sich stärker verbunden mit den Geheimnissen des Kreuzes und der Auferstehung, die in der Heiligen Messe gefeiert werden.

Unsere Priester bemühen sich, das heilige Meßopfer in den Mittelpunkt ihres priesterlichen Lebens zu stellen und sie üben somit zweifellos eine große Anziehungskraft auf die Jungen aus, die darauf hoffen, der Kirche als zukünftige Priester dienen zu können.

Zusammenfassend scheint mir, daß unsere Kirchen in Europa nichts von dem vernachlässigen dürfen, was zu ihrem geistlichen Erbe gehört, wenn sie eine Seelsorge der Hoffnung aufbauen wollen; die Priesterbruderschaft St. Petrus wurde durch einen Akt der Hoffnung gegründet. Ihre Zuwendung zur lateinischen liturgischen Tradition ist weit davon entfernt, eine Nostalgie zu sein; sie will vielmehr einen bescheidenen Dienst der Beständigkeit leisten. Dadurch wird der lebendige Gebrauch der lateinischen Liturgie dazu führen, daß sich die Sprache der Kirche nicht auf die literarische Form offizieller Dokumente beschränkt, sondern es ermöglicht, daß die Christgläubigen ein "Cor unum" und eine "anima una" werden.

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